Entstehung und Auswirkung
Die Fluoreszenz bei Diamanten entsteht durch die Anreicherung von Bor, das im umgebenden Erdreich vorhanden war. Diamanten mit Fluoreszenz leuchten unter den Strahlen einer UV-Lampe milchig hell auf. Da auch im Sonnenlicht UV-Strahlen enthalten sind, können Diamanten mit Fluoreszenz auch bei Tageslicht milchig erscheinen. Der Anteil der Steine mit Fluoreszenz liegt bei ca. 30 %, der mit sehr starker Fluoreszenz bei ca. 10 %.
Graduierung bei Fluoreszenz
Es gibt bei der Fluoreszenz die Abstufungen von „none“ (keine, manchmal auch „nil“) über schwach (faint), mittel (medium), stark (strong) bis sehr stark (very strong) (Abbildung von links nach rechts). Die häufigste Fluoreszenzfarbe ist Blau, es existieren aber auch andere Farben, z. B. Gelb und Grün.

Stufen der Fluoreszenz mit englischen Abkürzungen
1. None (Abkürzung „N“) – Keine Fluoreszenz
Keine Fluoreszenz sichtbar. Unter UV-Licht ist der Diamant vollständig dunkel und leuchtet nicht blau.
2. Very Slight (Abkürzung „VSL“) – Sehr schwache Fluoreszenz
Die Fluoreszenz ist sehr schwach und nicht sichtbar. Auch unter UV-Licht ist kein Leuchten zu erkennen.
3. Slight (Abkürzung „SL“) – Schwache Fluoreszenz
Der Stein leuchtet unter UV-Licht marginal bläulich.
4. Faint (Abkürzung „F“) – Leichte Fluoreszenz
Der Diamant leuchtet leicht bläulich unter UV-Licht. Das ungeschulte Auge erkennt erst ab dieser Stufe ein schwaches Leuchten.
5. Medium (Abkürzung „M“) – Mittlere Fluoreszenz
Der Diamant leuchtet unter UV-Licht. Das Leuchten ist erstmals gut zu erkennen.
6. Strong (Abkürzung „S“) – Starke Fluoreszenz
Der Stein leuchtet eindeutig und ausgeprägt unter UV-Licht.
7. Very Strong (Abkürzung „VS“) – Sehr starke Fluoreszenz
Der Diamant weist unter UV-Licht eine sehr starke bläuliche Farbe auf. Gerade bei großen Diamanten ist die Fluoreszenz sehr schnell zu erkennen.
Preisliche Auswirkungen
Bei Steinen der Farben D–H führt Fluoreszenz dazu, dass sie niedriger bewertet werden. Man hält diese Steine für minderwertig, da sie milchig wirken können. Ob das gerechtfertigt ist, ist umstritten.
Die GIA kam in einer umfangreichen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass der normale Betrachter (private Kunden) den Unterschied zwischen einem Stein mit und ohne Fluoreszenz nur in den seltensten Fällen erkennt – am ehesten noch bei Steinen mit „very strong fluorescence“.
Hinzu kommt, dass die GIA-Untersuchung bei Betrachtung der auf die Tafel gelegten Steine erfolgt, was für den normalen Betrachter (z. B. beim Juwelier) wenig relevant ist, da dieser den Stein fast ausschließlich von oben betrachtet.
Zum Vergleich: Auch der Unterschied zwischen „VVS1“ und „VVS2“ ist für Laien nicht erkennbar, trotz teils deutlicher Preisunterschiede.
Steine der Farbstufen I–P können durch blaue Fluoreszenz optisch sogar gewinnen. Hier ist der Preisunterschied zu Steinen ohne Fluoreszenz – wenn überhaupt – nur marginal.
Immer wieder werden uns Steine mit starker Fluoreszenz zu stark reduzierten Preisen angeboten. Daraus lässt sich schließen, dass diese Steine beim späteren Wiederverkauf schwerer zu verkaufen sind.
Historie
Früher – als noch die Bezeichnung „River“ galt – gab es eine Steigerung namens „Jager“ (nach der Mine Jagersfontein in Südafrika). Dabei handelte es sich wahrscheinlich überwiegend um Steine mit blauer Fluoreszenz, nicht umsonst hießen die besten Diamanten früher „blauweiß“.
Bis weit in die 1970er-Jahre spielte Fluoreszenz kaum eine Rolle. Erst durch die deutlich genauere Klassifizierung der Farben durch die GIA (Einteilung in Buchstaben, wodurch z. B. aus „Top Wesselton“ die Farben F und G entstanden) sowie durch die Einführung differenzierter Reinheitsstufen (SI1, SI2, SI3) wurde Fluoreszenz ein fester Bestandteil der Zertifikate.
Bei älteren GIA- und IGI-Reports fällt auf, dass eine Klassifizierung der Fluoreszenz häufig fehlt.



